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Gedanken zum Vers: „Wann kommt der Sieg Allahs?“

Gedanken zum Vers: „Wann kommt der Sieg Allahs?“

Im Schatten der weltweiten Übermacht und Ausbreitung des Falschen und angesichts der Tatsache, dass die muslimische Umma schwach ist, richtet sich jede gläubige Seele auf jenen strahlenden Tag aus, an dem der Tawhîd (die alleinige Verehrung Allahs) wieder auf Ehren herrschen wird und die Lichter der Wahrheit sich ausbreiten, um die Welt zu erleuchten, die von den Fesseln des Unglaubens und der Tyrannei eingeengt wird.

Damit diese Hoffnungen Wirklichkeit werden, müssen wir den Weg zum Erfolg und zur Erlösung aus dieser düsteren Wirklichkeit suchen. Dies geschieht nur durch die Rückkehr zum Buch Allahs, des Erhabenen, um daraus die universellen und seelischen Gesetzmäßigkeiten für die Verwirklichung der ersehnten Hoffnung zu entnehmen. Aus diesem Grund haben wir einen großartigen Vers aus dem Buch Allahs ausgewählt, der den Zustand der gläubigen Gemeinschaft in Zeiten der Not und Krisen schildert – und zwar: „Wann kommt der Sieg Allahs?“ (Sure 2:214) –, um von diesem Hintergrund über diese wichtige Angelegenheit zu sprechen.

Allah, der Lobpreiswürdige, sagt in Seinem edlen Buch: „Oder meint ihr etwa, dass ihr in den (Paradies)garten eingehen werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert, bis dass der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: ‚Wann kommt Allahs Sieg? Aber wahrlich, Allahs Sieg ist nahe.‘“ (Sure 2:214). Dieser edle Vers wurde am Tag der Grabenschlacht offenbart, als die Muslime die schwersten Momente seelischer und körperlicher Qual erlitten – durch die Kälte, die Not und weil sich die Glaubensfeinde gegen die Muslime verbündeten, um ihre Existenz auszulöschen. Es gibt keine treffendere Beschreibung ihres Zustands als diese Worte des Erhabenen: „Als sie von oben und von unten zu euch kamen, und als die Blicke schweiften und die Herzen die Kehlen erreichten und ihr über Allah verschiedene Vermutungen anstelltet. Dort wurden die Gläubigen geprüft und heftig erschüttert.“ (Sure 33:10-11). Und trotz all dieses Schreckens, dem die Muslime ausgesetzt waren, blieben sie angesichts der Not standhaft und hielten an Allahs Gebot fest, bis ihnen der offenkundige Sieg zuteilwurde und die feindlichen Heere geschlagen wurden, die in Schmach und Schande unterlagen. Dieses Ereignis war eine große Lehre für die muslimische Umma, es zeigt, wie sie allen Widrigkeiten standhalten und erstarken kann.

Mit dieser Lehre können wir jene Fragen beantworten, die von Zeit zu Zeit laut werden und fragen: „Ist es nicht an der Zeit, dass die Ungerechtigkeit besiegt wird? Ist es nicht an der Zeit, dass die Fessel zerbrochen wird? Wann kommt jener Tag, an dem die Morgendämmerung des Islams aufleuchtet und die Nacht der Ungerechtigkeit und Tyrannei vergeht?“ Viele Fragen kreisen in den Gedanken; die Antwort darauf lautet, dass Allah, der Erhabene, in Seiner Weisheit bestimmt hat, dass die Auseinandersetzung zwischen Lüge und Wahrheit ein universelles Gesetz des Lebens ist, seit der Zeit unseres Vaters Adam, Friede sei auf ihm, bis Allah die Erde und alle, die auf ihr sind, einberufen wird. Doch zu guter Letzt werden die Gottesfürchtigen gewinnen, und Allah, Seinem Gesandter und den Gläubigen gebührt die Oberhand. Darüber sagt Allah, der Erhabene: „Allah hat vorgeschrieben: ‚Ich werde siegen, Ich und Meine Gesandten.‘ Gewiss, Allah ist Stark und Allmächtig.“ (Sure 58:21). Und es heißt: „Und bereits erging Unser Wort an Unsere gesandten Diener, dass sie ja die Sieger sein werden, und dass Unser Heer die Oberhand behalten wird.“ (Sure 37:171-173). Und der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verkündete seiner Umma dies, wie von Tamîm ad-Dârî  möge Allah mit ihm zufrieden sein überliefert wird. Er sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagen: ‚Diese Angelegenheit (der Islam) wird gewiss so weit reichen, wie die Nacht und der Tag reichen. Und Allah wird kein Haus aus Lehm und kein Zelt aus Ziegenhaar übergehen, das nicht von dieser Religion erfahren wird, entweder durch die Macht eines Mächtigen oder die Niederlage eines Schwachen. Eine Ehre, durch die Allah den Islam ehrt, und eine Erniedrigung, durch die Allah den Unglauben erniedrigt.‘“ (Überliefert von Ahmad in seinem Musnad und von al-Baihaqî in seinem Sunna-Werk.)

Und dieser Sieg, den Allah Seinen gläubigen Dienern versprochen hat, ist nicht nur auf das Diesseits beschränkt, wie Sein Ausspruch, des Erhabenen, belegt: „Wir werden gewiss Unsere Gesandten und diejenigen, die glauben, im diesseitigen Leben unterstützen und am Tag, da die Zeugen auftreten.“ (Sure 40:51). Manche mögen fragen: „Es ist bekannt, dass einige Propheten von ihrem Volk getötet wurden, wie Yahyâ und Zakariyyâ (Friede sei mit ihnen). Und einige von ihnen verließen ihr Volk, wie Ibrâhîm, Friede sei auf ihm. Widerspricht dies nicht dem, was im vorherigen Vers steht?“ Die naheliegende und schnelle Antwort darauf ist zu sagen, dass hier überhaupt keinen Widerspruch besteht. Denn der Sieg für jene Propheten fand nach ihrem Tod statt – so wie Allah mit den Mördern von Yahyâ und Zakariyyâ, Friede sei auf ihnen, verfuhr, indem Er ihre Feinde gegen sie schickte, die sie erniedrigten und ihr Blut vergossen. Was Namrûd betrifft, so raffte ihn Allah in Seiner Allmacht dahin, und Er verhalf Seinem Propheten Ibrâhîm, Friede sei auf ihm, zum Sieg. Damit erfüllte sich das Versprechen Allahs, des Segensreichen und Erhabenen. Im Sahîh-Werk Al-Buchârîs ist von Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein überliefert, dass der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Allah, der Segensreiche und Erhabene, sagt: ‚Wer sich mit einem meiner Nahestehenden (Walî) anfeindet, dem habe ich den Krieg erklärt.‘“ (Überliefert von Al-Buchârî.) Und so verhalf Allah Seinen Propheten gegen jene zum Sieg, die sie bekämpften und sie der Lüge bezichtigten, und Er verhalf Seinem Wort zum Durchbruch und brachte die Glaubensfeinde zum Schweigen. Und Allah rettete die Gläubigen aus der Mitte ihrer Feinde und verhalf ihnen zum Sieg über jene.

Das war eine schnelle und naheliegende Antwort, die jeder geben kann. Aber darin liegt nicht der eigentliche Kern der Sache. Allah, der Mächtige und Erhabene, erzählt uns im Qurân von der Geschichte der Gläubigen in der Feuergrube: „Gewiss, diejenigen, die die gläubigen Männer und Frauen der Peinigung aussetzten und dann nicht bereuten – für sie ist die Strafe der Hölle, und für sie ist die Strafe des brennenden Feuers.“ (Sure 85:10). Es ist ein schmerzliches Ende, das das Herz jedes Gläubigen zerreißt und ihn weinen lässt, wenn er sich dieses Ereignis vor Augen führt. Und trotz alledem hat uns Allah nicht berichtet, dass Er Heerscharen vom Himmel gegen jene verbrecherischen Mörder entsandte hat. Er hat uns auch nicht berichtet, dass Er die Erde mit ihnen versinken ließ oder einen Sandsturm gegen sie schickte. All dies hat uns Allah nicht berichtet. Wo bleibt da der Sieg?! Allah, der Mächtige und Erhabene, will der Umma eine große Lehre und eine gewaltige Angelegenheit vermitteln: Der Sieg besteht nicht nur in den äußeren Ursachen und den sofortigen Strafen, vielmehr ist der wahre Sieg das Festhalten an den Prinzipien.

Jene gläubigen Märtyrer haben in Wahrheit gesiegt, denn sie vermochten es, angesichts all dieser gewaltigen Schicksalsschläge und großen Qualen an ihrem Glaubensgrundsatz festzuhalten. Das ist der wahre Sieg, den die Umma lernen und gut verstehen muss.

Dieser äußere Sieg kann später eintreffen, und die Gläubigen mögen ihn als fern empfinden – aus einer Weisheit, die Allah will, und aus Gründen, die nur derjenige begreift, dem Allah einen scharfen Blick und ein tiefes Verständnis verliehen hat. Zu diesen Gründen gehört, dass die islamische Umma nicht bereit ist, den Islam in Ehren zu halten – denn wenn sie den Sieg erränge, würde sie ihn schnell wieder verlieren, weil sie nicht in der Lage ist, ihn lange zu bewahren. Der Sieg kann sich auch deshalb verzögern, weil Allah, der Lobpreiswürdige, von den Gläubigen will, dass sie ihre Verbindung zu Allah vertiefen und ihre Absichten von allem reinigen, was sie trüben könnte – wie die Liebe zur öffentlichen Anerkennung oder das Streben nach weltlichen Gewinnen oder persönlichen Zielen. Wenn die Voraussetzungen für den Sieg bei der Umma gegeben sind, dann ist sie würdig, dass Allah, der Erhabene, ihr den Sieg gewährt. Auf der anderen Seite kann sich der Sieg auch deshalb verzögern, weil das Falsche, das die gläubige Gemeinschaft bekämpft, den einfachen Menschen noch nicht in seiner wahren Natur offenbar geworden ist und sie daher noch nicht von seiner Verderbtheit und der Notwendigkeit seines Verschwindens überzeugt sind. Die Angelegenheit erfordert daher mehr Zeit und Mühe, um seine Falschheit aufzudecken und seine Nichtigkeit zu erklären, damit die Menschen diesen Sieg annehmen können und er die größte Wirkung in ihren Seelen hinterlässt, nachdem ihnen die wahre Natur des Falschen und seine schlimmen Auswirkungen auf ihre Religion und ihr Diesseits klar geworden sind. Wenn die Gläubigen es dann besiegen, findet sich niemand, der Tränen darüber vergießt und um ihm nachtrauert.

Die Quintessenz lautet: Allah, der Lobpreiswürdige und Erhabene, wird gewiss Seiner Religion zum Sieg verhelfen. Dies wird jedoch nur geschehen, wenn die Umma das tut, was nötig ist, um diesen Sieg zu verwirklichen. Und so lange die Nacht der Niederlage auch sein mag – die Morgendämmerung des Sieges wird mit Allahs Erlaubnis anbrechen. Dann werden die Gläubigen sich über den Sieg Allahs freuen, und Allah wird die Angelegenheit für sie vollenden, und die Einladung zum Islam wird sich überall auf Erden ausbreiten. Wir bitten Allah, den Erhabenen, dass Er uns jenen Tag sehen lässt – und das ist für Allah nicht schwer!

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